Mein Nichtraucher-Tagebuch
VorgeschichteIm November 2007 wurde bei meiner Mama ein sehr heimtückischer Lungenkrebs diagnostiziert. Irgendwie hat's meine Mama geschafft, dem Tod grad so nochmal davonzulaufen, denke es ist allerdings eine Frage der Zeit bis er sie wieder einholen wird. Aber ich freue mich wahnsinnig darüber meine Mama noch zu haben !! Aus diesem und noch vielen anderen Gründen kämpfe ich nun seit November mal mehr, mal weniger mit/gegen meinen mal höher, mal niedrigeren Zigarettenkonsum. Es muss doch irgendwie machbar sein auch ohne Zigarette leben zu können...Milliarden von Menschen tun das. Ich habe mir nun letzten Samstag (den 07.06.2008) als meinen persönlichen rauchfreien Neuanfang auserkoren. Im Gegensatz zu meinen letzten misslungenen Versuchen sage ich nun jedem, egal ob ers wissen will oder nicht, dass ich nun mit dem Rauchen aufhöre. STOP-SIMPLY fand ich beim Googlen bereits im November 2007 und hat mir gleich sehr gut gefallen, da es kostenlos ist, man aber trotzdem auch professionelle Hilfe bekommen kann. Ich registrierte mich und stürzte kopflos ins Abenteuer "Nichtmehrrauchen". Das Erringen der Ränge fand ich Klasse, am Tag 3 gabs leider keinen neuen Rangnamen und Tabak habe ich auch noch zuhause "gefunden", ja, da scheiterte mein erster Versuch sehr schnell. Meinen neuen Versuch plane ich besser: Wie beim Kofferpacken für eine schöne Reise, habe ich die Vorbereitungsliste von Stop-Simply benutzt. Diesesmal auch ganz sichergestellt, dass ich nirgendwo Zigaretten "finden" kann. Ja, ich höre nun für immer und ewig mit dem Scheiss auf! Hiermit bitte ich Euch alle mich in meinem (in meinen Augen nahezu unlösbarem) Vorhaben zu bestärken, mich anzufeuern, mich abzulenken, meine Launen zu ertragen und mich zu trösten.
Tag 1 (Samstag 07.06.2008)Keine einzige Zigarette mehr im Haus, welch ein (Un)glück, selbst herbeigeführt, selber Schuld! Ich nörgel fast stündlich meinen Zigarettenwunsch an meinen Freund, welcher mich immer nur stur drauf hinweist, dass keine da ist. Der Tag ging vorbei, ich lebe noch, wow. 2. Tag (Sonntag 08.06.2008)Viel schlafen hilft...schlafen, schlafen und nochmals schlafen, gar nicht so schlimm, wenn der Tag nur aus 5 Stunden besteht *gg 3. Tag (Montag 09.06.2008)Nun musste ich mein kleines Gefängnis ohne Zigaretten verlassen und in die grosse böse Welt hinaus. Zum Glück bin ich recht spät dran, so dass der Halt an der Tanke nicht in Frage kommt. Verstohlen schaue ich am Arbeitsplatz meines Kollegen, ob er nicht irgendwo ne Zigarette liegen lassen hat. In der Mittagspause bietet mir eine Kollegin eine an ... ich lehne ab (JUUUUBEL) und bereue es Sekunden später. Bald Feierabend...hoffentlich schaff ichs schnell wieder in mein Gefängnis ohne bei der Tankstelle halt zu machen! 4. Tag (Dienstag 10.06.2008)Ja, der Mensch liebt (schlechte) Gewohnheiten. Schon Babys schreien förmlich nach Regelmäßigkeit und gewohnte Abläufe im Leben. Und genau das hat sich ein Raucher fast bis zur Perfektion geschaffen. Aufstehen=erste Zigarette Ja, irgendwie bestimmt nicht die Uhr, sondern die Zigaretten die Dauer eines Tages, ausser man darf immer und überall rauchen, dann raucht man, obwohl man doch grad erst geraucht hat und einem schon der Kopf brummt. Egal, dann fühlt sich ein Raucher frei. Ich persönlich rauche seit meinem 14. Lebensjahr, ich kann mich eigentlich an eine Tina und ein Leben ohne Zigarette kaum erinnern, seltsamerweise will ich mein Lebensalter dann doch nicht in Anzahl gerauchter Zigaretten gerechnet haben. Heute geht nun der 4. Tag zur Neige, mich gelüstets seit 5 Stunden nach einer Frustzigarette. Ich versuch mir ständig einzureden, dass ich eben diese doch gerade erst geraucht habe...bringt leider wenig. Aber nu hab ich die 5 Stunden rumgebracht, dann geht der Tag auch noch irgendwie vorüber. 12. Tag (Mittwoch 18.06.2008)So, nun bin ich bei Tag 12 meines Nichtraucherdaseins angekommen, wow. Somit habe ich die erste Wahnsinns-Hürde gepackt, war echt nicht einfach und ich sag mir nun ständig, dass ich das nie wieder durchmachen möcht. Warum erste Hürde? Gelesen habe ich, dass 70% derjenigen, die es nicht geschafft haben, in den ersten 10 Tagen wieder angefangen haben. Mein nächster Meilenstein den ich nun in Angriff nehme, sind die 3 Wochen voll machen, denn zwischen Tag 10 und 3 Wochen werden weitere 20% schwach. Gestern war Tankstelle und einkaufen angesagt und siehe da, es ging schon viel besser, nachdem ich letztesmal fast dabei durchgedreht wär. In der Zwischenzeit hat mein Blutzuckerspiegel bemerkt, dass ich ihn nicht mehr durch ständiges Nikotin oben halte, was zur Folge hat, dass ich ständig ein Hungergefühl habe, naja, dauert halt seine Zeit, bis sich der wieder einpendelt. Auch hier heissts nun eisern bleiben und halt zusätzlich hungern. Ich habe in den letzten Tagen sehr viel über das Thema (nicht)rauchen im Internet gelesen. Es hilft mir meinen Körper in der Umstellungsphase besser zu verstehen. Schon der Hammer was sich ein Raucher so alles antut und der Körper funktioniert trotzdem noch. Aller höchste Zeit das ganze langfristig zu beenden, ich werde solange kämpfen, bis ich es geschafft habe, wär doch gelacht! Für das Geld was ich bislang gespart hab (sind immerhin schon 50 Euro), werde ich mir demnächst mal neue Klamotten kaufen. 5. Woche (Samstag 12.07.2008)Wochen ohne rauchen *freu*. Mir gehts in der Zwischenzeit viel besser, allerdings fühl ich mich immernoch wie ein Raucher, der halt im Moment nicht raucht. Die Lust eine zu rauchen lässt sich nun leichter zur Seite schieben. Zur Zeit bin ich kurzatmiger, der ewige Frosch im Hals wird langsam besser und mein Blutzuckerspiegel spielt noch verrückt. Zugenommen? Denke schon ein wenig, keine Waage, ist auch egal, das nehme ich dann nächstes Jahr in Angriff. 11. Woche (Donnerstag 21.08.2008)JUBEL .... ENDLICH !!!!!
6. Monat (Mittwoch 3.12.2008)In drei Tagen habe ich ein halbes Jahr geschafft. stolz? Klar stolz bin
ich.aber? Klar, ein Aber gibt's immer. Leider hat sich das Gefühl Nichtraucher zu sein
schnell wieder gelegt und ich fühle mich wieder als Raucher, der eben im Moment nicht
raucht. Rückblickend kann ich drei Phasen bei mir ausmachen: Die Sehnsucht nach der "guten alten Zeit" in der ich mir eine Zigarette anzündete, ist nach wie vor vorhanden. Dass mein Leben und meine Gesundheit nun besser ist, kann ich nicht großartig feststellen, mein Entschluss nicht mehr zu rauchen steht trotzdem weiterhin auf recht festem Boden, denn ich möchte es besser machen als meine Mutter. Wieder haben mir die STOP-SIMPLY-Ränge sehr geholfen, ich konnte daran meinen Erfolg messen. Das Nichtraucher-Forum benutzte ich zum Jammern, ja, ich jammerte und jammerte, weil ich mich schrecklich quälte. Die Resonanz auf meinen Katzenjammer kam prompt, ich wurde "berühmt" bei Stop-Simply. Die Mehrheit belächelte mich und versicherte mir, dass man es durch Jammern nicht schaffen würde; gerade den Leuten zum Trotz hielt ich tapfer durch. Vielen Dank für Eure Skepsis, Ihr habt mir damit sehr geholfen meinen Dickkopf durchzusetzen ;-) Die Stop-Simply Chatsucht kam dann auch bald hinzu. So viele liebe Leute, mit denen ich bis heute sehr viel Spass hatte und noch haben werde! Ja, meine Mami kämpft weiterhin ihren nicht zu gewinnenden Kampf gegen den Krebs. Nach der ersten Chemo hatte sie leider nur wenige Wochen aufatmen können, dann fing alles wieder von vorne an. In der Zwischenzeit hat sie Metastasen im Gehirn und in der Leber, ebenso ist das Lymphsystem betroffen. Nach Bestrahlungen und nun der zweiten Chemo ist sie sehr geschwächt. Sie fragte mich kürzlich warum ich eigentlich mit dem Rauchen aufgehört habe und ich sagte ihr nur kurz und bündig "wegen Dir". Dass sie selbst weiterraucht, kann ich allerdings auch verstehen, warum sollte sie sich damit auch noch quälen. 09.01.2009, NachtragMeine Mami ist auf ihre grosse Reise gegangen, sie sah ganz friedlich aus. Danke für all eure Beiträge, sie geben mir sehr viel Kraft. Kommentare (Aktualisieren) |
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